Unternehmensanleihen als Finanzierungsmöglichkeit auch für Mittelständler |
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Mit den höheren Anforderungen an die Kapitalstruktur der Banken durch die Basel III Reform und den Schwierigkeiten bei bisherigen alternativen Finanzierungsformen wie Mezzanine Kapital, Schuldscheinen oder Leasing ist für viele Unternehmen die Kreditaufnahme äußerst problematisch geworden. Seit Mitte 2010 können Unternehmensanleihen über den Kapitalmarkt auch für mittelständische Unternehmen einen interessanten Lösungsansatz darstellen.
Nach der schwerwiegenden Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 beschloss der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die Eigenkapital- und Liquiditätsregelungen für Banken noch einmal deutlich zu verschärfen. Die neuen Anforderungen (Basel III), die inzwischen von den G20-Ländern beschlossen wurden und in Europa ab dem 1. Januar 2013 in Kraft treten sollen, verlangen neben einer solideren Refinanzierung von den Banken in Zukunft eine um 30% höhere und qualitativ bessere Eigenkapitalrücklage, um die vergebenen Kredite abzusichern. Somit wirkt sich die Reform auch erheblich auf die langfristige Finanzierung von Unternehmen aus, da die Aufnahme von Bankdarlehen teurer und aufgrund höherer Auflagen komplizierter geworden ist. Besonders problematisch war diese Situation bisher für mittelständische Unternehmen, die oftmals nach dem weitgehenden Wegfall des Marktes für Mezzanine-Kapital dringend eine Anschlussfinanzierung benötigten, denen aber im Gegensatz zu Großunternehmen die Geldaufnahme über den Kapitalmarkt in Form von Unternehmensanleihen nicht möglich war. Aus dieser Notlage heraus entstanden inzwischen, initiiert durch die Börse in Stuttgart (Bondm), an zahlreichen deutschen Finanzplätzen eigene Standards für Anleihen auch kleinerer Unternehmen, die sich untereinander nur durch Details unterscheiden. Seit Mai 2010 können mittelständische Betriebe, statt bisher nur über einzelne Banken oder einen kleinen Kreis weniger Investoren (Genussscheine) direkt über den Markt ihr Fremdkapital aufnehmen (Minibonds). Angesprochen werden in erster Linie private Investoren, Vermögensverwalter und Family Offices, deren Resonanz aufgrund des extrem niedrigen allgemeinen Zinsniveaus von Anfang an sehr positiv ausfiel. Mittlerweile wählten bereits über 40 Unternehmen diesen Weg, das gesamte Marktvolumen liegt bei 2 Mrd. Euro. Um für eine Anleiheemission zugelassen zu werden, müssen einige Auflagen erfüllt werden, die zum Teil aber nur in geringem Maße über die Anforderungen einer Bank bei einer Kreditvergabe hinausgehen. Notwendig sind ein aussagekräftiger Wertpapierprospekt, zumeist ein Rating, sowie ein regelmäßiger Bericht der relevanten Kennzahlen. Das Volumen (bisher zwischen 10 und 150 Mio. Euro) ist genauso wie die Laufzeit (derzeit bis zu 5 Jahren) variabel. Die durchschnittlichen Zinsen für die Anleger lagen in der Vergangenheit um 7%. Hinzu müssen neben den erfolgsabhängigen Platzierungskosten (etwa 2,5-5%) die zum Teil nicht unerheblichen Fixkosten (ab 100 000 Euro) einkalkuliert werden. Während Unternehmen mit starken und bekannten Marken auch nach erneuten Turbulenzen auf den Kapitalmärkten 2011, die ebenfalls die Indizes der Anleihen vorübergehend erschütterten, weiterhin relativ erfolgreich die Minibonds zur Finanzierung nutzen können sollten, dürfte für weniger bekannte Firmen eine Platzierung allerdings schwieriger geworden sein. Zahlreiche Fälle langwieriger und unbefriedigender Emissionen zeigen deutlich, wie wichtig die professionelle Strukturierung des Vorhabens und die erfolgreiche Kommunikation des Unternehmenswertes im Vorhinein bei solchen Projekten geworden sind. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Fixkosten, die sich bei starken Verzögerungen sehr negativ auf die Kalkulation auswirken, erweist sich daher für viele Unternehmen die Zuhilfenahme eines prozessbegleitenden Lead-Managers als geeignete Alternative, da neben besseren Zinskonditionen eine signifikant kürzere Platzierungsphase erreicht werden kann. Inwiefern eine Fremdfinanzierung für mittelständische Betriebe über Minibonds eine geeignete und vorteilhafte Alternative darstellt, bestimmt neben dem kaum beeinflussbaren allgemeinen Marktumfeld in erster Linie das professionelle Vorgehen des Emittenten. |
